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Die Gebrüder Overlack bauten das Weingut Schloss Eberstein wieder völlig neu auf Von unserem Redaktionsmitglied Andreas Bühler Gernsbach. „Das Ganze ist mehr als die Summe des Einzelnen“, meint Jörg Overlack, als er von der großen Aussichtsterrasse des Schlosses Eberstein seinen Blick über die steil abfallenden Weinberge hinweg in das blühende Murgtal schweifen lässt. Beim Anblick der neu angelegten Reben am Schlossberg, in dessen Begrünung der junge Löwenzahn hellgelb leuchtet, huscht ein zufriedenes Lächeln über sein Charaktergesicht. „Den ursprünglichen Weinberg, der erstmals 1505 urkundlich als Weingarten erwähnt wurde, müssen Sie sich wie ein weitläufiges Mosaik von kleinen Rebgärten vorstellen, durchzogen von vielen Granit- Stützmauern, die alle mehr oder weniger eingefallen waren“, erinnert sich Overlack an seine betrieblichen Anfänge auf der Gernsbacher Hausburg.
„Man kann es dem Markgrafen nicht verdenken, als er die Weinberge Mitte der 90er Jahre roden ließ“, verweist er auf die teure Bewirtschaftung in dem einst unwegsamen Gelände unüberwiegend in Handarbeit. Als sich der anstehende Verkauf des "total heruntergekommenen Schlosses" des Markgrafen von Baden abzeichnete, zögerten die Overlacks nicht. "Als ich mich damals mit meinem Brunder in Köln darüber unterhielt, ahnte ich nicht, was da für eine Aufgabe auf uns zukommt", sagt der 71-Jährige jetzt mit festem Blick. "Wir haben ökologische Ausgleichsflächen, Streuobstwiesen und mehrere Natursteinhalden errichtet, damit seltene Tiere einen Lebensraum finden", sagt Overlack und zählt neben den Eidechsen auch recht große Schlangen auf. "Es gibt angesichts dieses Aufwandes nur ein Arbeitsziel – das ist höchste Qualität", sagt Overlack bestimmt und berichtet von seinen Fahrten nach Burgund, um dort ursprüngliches Pflanzmaterial – der Fachmann spricht von Pinot-Klonen – zu finden. Der agile Pensionäre, der lange eine Furnierfabrik in Rastatt betrieb, kam durch den Holzeinkauf über Jahrzehnte nach Frankreich und hatte in dieser Zeit entsprechende Kontakte geknüpft. "Die Mühe hat sich gelohnt, neben dem Spätburgunder und Riesling wachsen hier nun auch Sauvignon Blanc und die für Baden seltene Sorte Merlot", berichtet er stolz. Die Experten vom Weinguide Gault Millau urteilen wie folgt: "Rund um das Schloss bewirtschaften die Brüder heute sechs Hektar Weinberge. Sie setzen auf geringen Ertrag und hohe Qualität. Diese zeigt sich auch in der aktuellen Reihe, wobei der feinnervige Sauvignon Blanc heraussticht und bei den Roten die Spätburgunder glänzen." "Nach dem starken Debüt im vergangenen Jahr bestätigt die neue Kollektion den Eindruck. Sie präsentiert sich klar, präzise und puristisch, besitzt Kraft und Frucht", ist wiederum bei anderen zu lesen. "Wir möchten es den Kunden einfach machen und klassifizieren deshalb unsere Weine betriebsintern mit ein bis drei Sternen", legt Overlack viel Wert darauf, dass auch unterschiedliche Käuferschichten beim Weingut Schloss Eberstein zum Zuge kommen. "Daran halten wir uns übrigens auch im unserem Gastronomiebereich. Das Spektrum reicht von der gut bürgerlichen Gutsschänke bis hin zum Gourmet-Restaurant nebst Catering, alles aus einer Hand", erläutert er das Marketing-Konzept. Mit der Restaurierung und der Neubepflanzung haben die Gebrüder Overlack mit großen Anstrengungen und finanziellem Aufwand wieder Leben in diese nördlichste Lage der Ortenau inmitten des für den Weinbau relativ unbekannten Murgtals gebracht. "Für mich gibt es im Leben keine Zufälle. Nach dem Übergang in die Rente durfte ich noch die Demut in meinem Leben lernen. Sie brauchen im Frühjahr Vertrauen, dass etwas wächst. Dann die Überzeugung, dass etwas aus der Arbeit wird. Dann viel Geduld, bis es durch die unterschiedliche Witterung über den Sommer hinweg soweit ist. Und dann brauchen Sie noch viel Glück, damit die Ernte glatt läuft", fasst er zusammen. Komme es einmal nicht so, wie erhofft, bleibe einem dann immer noch die Möglichkeit zu sagen: "Dein Wille geschehe." Dies sei eine Einstellung, die er vorher nicht gehabt habe, das Leben als einen wiederkehrenden Kreislauf zu begreifen. Jörg Overlack ist zusammen mit seiner Schwester und den fünf Brüdern einen Steinwurf entfernt von der Burg aufgewachsen. Heute schaue er oft auf sein Elternhaus hinunter. "Wir werden auf jeden Fall weiter machen, vielleicht noch expandieren. Die Restaurierung und die Neuanpflanzung war schon eine Wahnsinnsaufgabe", fasst er beinahe wehmütig zusammen. Und warum macht man ein solches Projekt, geht die Frage an seinen Bruder, den Finanzier Gerd Overlack? "Aus Liebe zur Heimat, eindeutig".
WIEDER AKTIVIERT sind die bis vor kurzem brachliegenden Weinberge
mehr dazu hier > BNN_16_4_11_Seite.pdf mehr dazu hier > BNN_16_4_11_Bericht.pdf
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